LOGBUCH
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13 Marktstände, davon nur mehr einer in Betrieb (Blumen Tilly) – der Rest steht leer. Im hinterern Bereich des Markt-Areals bauen zeitweise Textilhändler mobile Stände auf.
Laut Bezirksmagazin (04/2006) wird der seit 15 Jahren still gelegte Markt im momentanen Zustand als „Geisterhütten-Dorf“ empfunden
- AnrainerInnen fordern „endlich einen Plan für das Areal Genochmarkt zu schmieden“.

Juli 06

Wir (Steffi Sandhäugl und Heli Preis, die bald den Kulturverein MIK – Mission Ignition Kagran gründen werden) verstehen das als Aufforderung und begeben uns vor Ort zu einer ersten Erkundung.

Ab diesem Moment beginnt unser Interesse an diesem Platz - seine Vergangenheit, seine gegenwärtiger Zustand und seine Zukunft. Wer hat was dazu zu sagen, wer bestimmt, was dort passiert? WER plant WAS an diesem Ort, und welche Möglichkeiten gibt es, diese Planung mitzugestalten? Oder gibt es überhaupt irgendwelche Pläne?
Wir suchen Kontakt zu den Verantwortlichen des Bezirks. Von Seiten der Donaustädter Bezirkspolitik wird uns von Anfang an Interesse und Engagement entgegen gebracht. Trotzdem scheint die Nutzung der Marktstände vorerst hoffnungslos...
Bis die erste Entscheidung fällt vergehen Monate.
Wir beschließen, in Aktion zu treten.

Als gute Strategie, einen öffentlichen Raum „auszutesten“ und einen ersten aktiven Schritt in Richtung Auseinandersetzung mit dem Ort zu machen, erscheint uns ein „permanent breakfast“.

Dezember 06

Es folgt eine Einladung zum Frühstück am Genochmarkt nach den Spielregeln von permanent breakfast (www.permanentbreakfast.org) – um sich mit Leuten zusammen zu setzten, die Interesse haben, über den Ort zu sprechen, ihn zu besichtigen, vielleicht gemeinsam Ideen zu spinnen – ganz unabhängig davon, wie unrealistisch deren Umsetzung ist; aber auch, um das Geschehen oder Nicht-Geschehen vor Ort zu beobachten – die Reaktionen, der Menschen, die vorbei kommen; um den unbenutzen Raum zu nutzen – und sei es nur durch ein Frühstück,...

Weitere Verhandlungen, Besprechungen, Präsentationen unserer Ideen und Konzepte folgen. Unsere Kontaktpersonen vom Bezirk (Beszirksrat, Bezirksvorsteher, etc.) zeigen sich von Beginn an kooperativ, unterstützen uns in jeder Hinsicht, und sind sich dessen bewusst, dass dieses Projekt eine Aufwertung des Stadtteils und eine Bereicherung für den Bezirk Donaustadt bedeuten könnte.

Als wir Gabi Schrack von der MA18, Projektkoordination für Mehrfachnutzung kennen lernen und ihr von unserer Idee erzählen, scheinen sich die Dinge endlich in Bewegung zu setzen. (Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sie Blockaden löst).

Wir überzeugen schließlich auch die WienHolding – die zukünftige Eigentümerin des Grundstücks, von der Sinnhaftigkeit einer künstlerischen Zwischennutzung. Die Wienholding plant ein Bauprojekt („Star22“) am gegenüberliegenden Grundstück. Auch das Marktareal, das derzeit noch dem Marktamt MA59 unterliegt, gehört zur Baufläche, ist allerdings noch nicht verplant. Der Abriss der Stände (in ca. 2-3 Jahren) ist aber bereits beschlossen.
Die WienHolding ist daran interessiert, die Räumlichkeiten für eine „temporäre Zwischennutzung“ zur Verfügung zu stellen, und unterstützt das Vorhaben ab diesem Zeitpunkt.

Trotz der Überzeugungsarbeit und des Interesses der diversen Stellen dauern Entscheidungsprozesse ewig - Frustration unsererseits macht sich breit. Wir beschließen, die Wartezeit zu überbrücken und zu demonstrieren, dass wir nicht auf den Genochmarkt als einzig möglichen Ort für eine Intervention angewiesen sind, und konzipieren die "Suburb Safari" für den MIS Guide/Wiener Festwochen. Wir werden aus 140 Projekten ausgewählt und konzentrieren uns neben dem Genochmarkt auf die Organisation der Bergziegen-Safari auf der Mülldeponie Rautenweg. (siehe Projekte)

Mai 07

Die MA59 zeigt sich wenig begeistert über die Tatsache, dass der Markt wiederbelebt werden soll, aber nachdem nun Bezirk/Bezirksvorsteher, WienHolding und MA18 nach unzähligen Terminen und Besprechungen endlich voll und ganz dahinter stehen zieht die MA 59 mit – wir (MIK) schließen Verträge über die ersten 2 Stände mit der MA 59 ab, die für eine künstlerische Zwischennutzung frei gegeben werden.

19.Mai 07

„Frisch gestrichen“ – das Einzugsspektakel im Rahmen der Donaustädter Bezirksfestwochen. Wir sperren den Markt 2 Tage mit Baustellenband ab, streichen die Bodenfläche weiß, richten unsere ersten 2 Räume ein, und beziehen sie feierlich. Die Startphase des Projekts wird vom Bezirk finanziell unterstützt.

Wir laden Freunde und Bekannte, v.a. StudentInnen der Angewandten und der Bildenden ein, um die Räume und die Projektidee vorzustellen, und zu sondieren, wer an einer Beteiligung interessiert wäre. Die Aktion ist auch in den Bezirksmedien angekündigt.
Außerdem sind wir mit lokalen Kunstvereinen (z.B. Kunstfabrik Stadlau) in Verbindung getreten, die an der künstlerischen Nutzung der Stände interessiert sind, und sich beteiligen wollen.
Die erste Gruppe – Studentinnen der Textilklasse (Angewandte) formiert sich und beschließt, Mitte Juni in Aktion zu treten, und einen Workshop, der eigentlich auf der Uni stattfinden hätte sollte, auf den Markt zu verlegen, und die zwei Räume quasi als temporäreUni-Expositur zu nutzen.

Juni 07

Im Juni sind wir jeden Samstag vor Ort, reinigen die Räumlichkeiten, kümmern uns um die Errichtung einer Infrastruktur, und geben Passanten, Neugierigen und eingeladenen Gästen aus anderen Bezirken Auskunft über die Pläne und Möglichkeiten einer künstlerischen Zwischennutzung.

Der Textilworkshop und mehrere kleinere (Informations)veranstaltungen finden statt.

Wir laden dazu ein, den Platz und die bisher geöffneten Räume zu inspizieren, sich von der Umgebung inspirieren zu lassen, über Möglichkeiten der Nutzung nachzudenken und zu sprechen – wir versuchten die Möglichkeiten nach außen hin kommunizieren und den Platz zum Gespräch zu machen. Diese Phase dient dazu, Interesse zu wecken, auf den Platz aufmerksam zu machen – vor allem/verstärkt bei potenziellen ZwischennutzerInnen aus dem künstlerischen Bereich.

Neben unserer Arbeit am Genochmarkt gilt es, die Donaustädter Bergziege zu finden..

15 & 22.Juni - Suburb Safari

Die Suburb Safari geht mit vollem Erfolg über die Bühne, und gibt uns neuen Aufschwung, neue Erfahrung in Sachen Projektorgansiation und die Bestätigung, dass wir es schaffen, die Leute über die Donau zu locken. Die Zusammenarbeit mit Wrights und Sites, dem TQW und der Ma48 ist sehr bereichernd - auch der Bezirk (v.a. Helmut Piller) unterstützt uns bei dieser Aktion und ist hilfreich bei der Vermittlung zu den zuständigen Ämtern, um die diversen Genehmigungen zur Durchführung der Safari zu bekommen.

Juli 07

Es folgen mehrere Lokalaugenscheine mit allen beteiligten KooperationspartnerInnen, um die Öffnung der weiteren Räume voran zu treiben.

Die Öffnung erfolgt, z.T. müssen die Schlösser aufgebrochen werden, da keine Schlüssel mehr vorhanden sind.
Eine baupolizeiliche Empfehlung wird abgegeben – weitere sechs Räume zur Zwischennutzung frei gegeben.
Ein Raum wird von der WienHolding für die permanente Präsentation des Bauvorhabens Star22 genutzt. Die WienHolding schließt einen Vertrag über die Nutzung des ehem. Fisch-Standes mit der Ma59 ab. Die restlichen Räume/Schlüssel sollen von MIK übernommen werden.

Septemper 07

6 weitere Räume werden vertraglich von der Ma59 an den Verein MIK übergeben. MIK arbeitet einen neuen Info-Folder und die offizielle Ausschreibung aus.

Oktober 07

MIK geht mit der Ausschreibung zur künstlerischen Zwischennutzung der Marktstände an diverse Institutionen u.A. (Kunst)Universitäten und startet die Organisation der Schulprojekte.

Um die 30 Projektvorschläge werden eingereicht. Das Programm kann beginnen.

Weitere Berichte siehe: Projekte